Lukmanier – Lucomagn – Lucomagno

Der Alpenpass

Der Lukmanier ist ein Alpenpass, der den Alpenhauptkamm quert und an der Grenze der Kantone Graubünden und Tessin die Surselva über das Val Medel (Lukmaniertal) mit dem Valle di Blenio (Bleniotal) verbindet. Er liegt an der europäischen Wasserscheide. Seine Abflüsse fliessen über den Brenno in die Adria und über den Rein da Medel (Medelser Rhein) in die Nordsee.

Er verbindet den deutschen und rätoromanischen Sprach- und Kulturraum mit dem italienischen. Er ist relativ leicht begehbar und mit einer Scheitelhöhe von 1’917 m.ü.M. die tiefstgelegene Nord-Süd-Verbindung im zentralen Alpenraum.

Der Lucmagn dürfte bereits in der Antike begangen worden sein. Seine erste Blütezeit erlebte er im fränkischen Reich, als um 700 n.Chr. in Disentis / Mustér die heute noch existierende Benediktinerabtei gegründet wurde. Im Hoch- und Mittelalter, vor allem in der Zeit der Staufer, bildete der Lucomagno die wichtigste Nord-Süd-Verbindung im helvetischen Raum. Insbesondere die römisch-deutschen Kaiser Otto I. und Friedrich I. Barbarossa überquerten ihn auf ihrem Weg in Richtung Süden. Danach verlor der Lukmanier allmählich an Bedeutung. Er ist einer der schönsten Alpenpässe.

Ein Übergang trennt und verbindet

Ein Übergang über einen Gebirgszug trennt und verbindet. Ein Alpenpass wie der Lukmanier grenzt Unterschiedliches von einander ab und bildet gleichzeitig deren Verbindung.

Der Lukmanier steht insofern auch sinnbildlich für den Kern der Bergführermethode, d.h. für die Trias Lage, Ziel und Umsetzung samt der Reflektion am Mandatsende. Insbesondere die drei Aspekte Lage, Ziel und Umsetzung sind gedanklich sauber voneinander zu trennen. Sie stehen für Unterschiedliches und sollten nicht miteinander vermischt werden.


Tafel «Wasser Scheide» auf dem Berninapass als Sinnbild für die Wasserscheide auf dem Lukmanier.

Gleichzeitig ist es wesentlich zu erkennen, wie die drei Aspekte der Trias zueinander in Verbindung stehen, wie sie sich gegenseitig bedingen und als Gesamtes – mitsamt der abschliessenden Reflektion – den Kern der Bergführermethode bilden. Das Trennende und gleichzeitig Verbindende der vier Aspekte des Methodenkerns gelangt in der Bezeichnung «Lukmaniermodell» zum Ausdruck. Das L steht dabei für Lage, das M für mira (rätoromanisch für Ziel), das A für attuazione (italienisch für Umsetzung), das R für réflexion (französisch für Reflektion) und das N für nucleus (lateinisch für Kern).