Das Lukmaniermodell – der Kern der «Bergführermethode»

Lukmanier

Weshalb der Kern der Bergführermethode nach dem Alpenpass Lukmanier benannt wird,

Der Kern

Der Kern der Bergführermethode wird durch das Lukmaniermodell gebildet, das bewusst einfach und klar gehalten ist. Es besteht aus der Trias Lage, Ziel und Umsetzung sowie der Reflektion bei Mandatsabschluss. Das Lukmaniermodell bildet als stabile und belastbare Grundstruktur die Basis der Bergführermethode.

Die Lage umfasst das sachlich nüchterne, methodisch saubere Erfassen und Aufarbeiten der Situation, in der sich die Mandantin bzw. der Mandant befindet, samt der Antizipation, wie sich die Situation weiter entwickeln dürfte. Bei der Bestimmung der Lage ist wesentlich das Sein, d.h. was ist, und nicht, was sein sollte.

Ist die Lage erfasst und im Rahmen einer Gefahren- und Risikoanalyse geklärt, was in einem Strafverfahren realistischer Weise erreicht werden kann, ist basierend auf den Interessen der Mandantin bzw. des Mandanten das Ziel der Strafverteidigung bzw. allenfalls die Ziele samt deren Priorität festzulegen. Es gilt insbesondere zu bestimmen, ob auf der Schuldebene eine Nichtanhandnahme, eine Einstellung oder ein Freispruch anvisiert wird, ob auf der Strafebene eine Strafmassverteidigung umgesetzt werden soll oder ob ausserstrafrechtliche Ziele im Vordergrund stehen.

Sind Lage und Ziel geklärt, ist darüber zu befinden, wie das Ziel basierend auf der Lage umgesetzt werden soll. Bei der Umsetzung geht es im Wesentlichen darum, wie man sich auf dem strategischen Schachbrett positioniert, wann man wie in welchem Ausmass «Energie» ins System des realen Strafprozesses einbringt. Es stehen strategische und taktische Fragestellungen im Vordergrund.

Die Trias Lage, Ziel und Umsetzung ist keineswegs statisch zu verstehen. Sie ist wie der reale Strafprozess dynamisch. Die Lage ist daher nach jedem Verfahrensschritt neu zu erfassen und zu analysieren. Es ist insbesondere danach zu fragen, welche Wirkung im Ziel mit der gewählten Umsetzung erreicht werden konnte. Allenfalls ist danach das Ziel neu zu justieren und die Umsetzung entsprechend anzupassen.


Bei Mandatsende erfolgt aus einer Ex-post-Perspektive die Auswertung. Im Rahmen einer Reflektion wird analysiert, ob die Lage, das Ziel und die Umsetzung aus einer Ex-Post-Sicht stets korrekt eingeschätzt und ausgewählt wurde, ob ex ante allfällige Fehleinschätzungen überhaupt erkennbar gewesen wären und ob Lehren für künftige Fallbearbeitungen gezogen werden können.

Das Lukmaniermodell als Kern und stabile, belastbare Grundstruktur der Bergführermethode wird durch ein flexibles Instrumentarium ergänzt. Die Instrumente der Bergführermethode sind falladäquat einzusetzen und stehen je nach Fallkonstellation mehr oder weniger im Vordergrund.