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Der reale Strafprozess als Abbild des Rechtsalltags und der gesamtgesellschaftlichen Realität
In der Bergführermethode wird zwischen dem idealen und dem realen Strafprozess unterschieden. Im idealen Strafprozess, der an der Universität erlernt wird, sind die Strafbehörden alleinig dem Recht im Sinne eines Ideals verpflichtet. Der ideale Strafprozess ähnelt in Vielem Hermann Hesse’s Glasperlenspiel. Es handelt sich um einen Prozess quasi unter Laborbedingungen. Der reale Strafprozess hingegen bildet den Rechtsalltag und die gesamtgesellschaftliche Realität ab. Der reale Strafprozess dient vorab der Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols und wird neben der Rechtswissenschaft wesentlich von Faktoren wie Zeit, Ort, beteiligte Menschen, Politik, Öffentlichkeit, Unzulänglichkeiten des Systems, Zufall etc. geprägt. Die Aufgabe von uns Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger ist es, unsere Mandantinnen und Mandanten zielorientiert und sicher durch das schwierige Gelände des realen Strafprozesses zu begleiten und zu führen.
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Friedrich Dürrenmatt
Friedrich Dürrenmatt gehört zu den wenigen Nicht-Strafrechtlern, die den realen Strafprozess in seiner gesamten Breite und Tiefe verstanden haben. Friedrich Dürrenmatt war ein Meister darin, vor den Lesern seiner Werke genüsslich ein strategisches Schachbrett auszubreiten und sie durch das schwierige Gelände des realen Strafprozesses mit all seinen Niederungen zu führen. Seine Figuren liess er dabei auf der Bühne der Justitia die Dinge bis zu ihrem bitteren Ende durchspielen. Er hielt uns Juristen – wohl genüsslich – den Spiegel unseres Tuns in fast schon schmerzhafter Weise vor die Augen. Friedrich Dürrenmatt ist gerade für Juristen nach wie vor aktuell.
«Friedrich Dürrenmatt gehört zu den wenigen Nicht-Strafrechtlern, die den realen Strafprozess begriffen haben.»
Zur Lektüre sind insbesondere «Justiz» und «Die Panne» empfohlen. Ein gutes Glas Bordeaux – dies durchaus im Sinne des Genussmenschen Friedrich Dürrenmatt – sollte nicht fehlen.